Bestattung und Trauerrituale
Die eigentliche Bestattung ? die Überführung des Toten an den Ort des Begräbnisses, der Feuerbestattung oder der Luftbestattung ? ist der gesellschaftliche Ort für mehr oder weniger komplexe Rituale. Häufig wird aus der Überführung des Leichnams ein bis ins Einzelne geregelter Leichenzug. Im Hinduismus führt ein Mann mit einem brennenden Holzscheit die Prozession zum Ort der Feuerbestattung an. An einer bestimmten Stelle umringen die Trauernden dann die Bahre, und der Leichnam wird verbrannt. In einigen hinduistischen Gruppierungen musste die Witwe früher Sati begehen, d. h. sich selbst auf den brennenden Scheiterhaufen ihres Mannes werfen. In den letzten Jahren ist in Indien ein Wiederaufleben der Witwenverbrennung zu beobachten. Häufig wird die Witwe von Verwandten aus finanziellen Interessen dazu gezwungen. Die Asche der Verstorbenen wird dann in einem heiligen Fluss ausgestreut. Im antiken Griechenland, Ägypten und in China wurden manchmal Sklaven zusammen mit ihren Besitzern begraben. Diese Form des Menschenopfers beruhte auf dem Glauben, dass die Toten im Jenseits weiterhin auf die Dienste der Sklaven angewiesen seien.
In den heutigen westlichen Gesellschaften gehören Totenwachen, Leichenzüge, Glockengeläut, eine religiöse Zeremonie und letzte Worte zu den Bestattungsriten. Bei der Beisetzung mit militärischen Ehren wird häufig Salut geschossen. In manchen Kulturen ist vorgeschrieben, dass die Familie des Toten sich für eine bestimmte Zeit absondert. Die jüdische Tradition etwa schreibt nach der Beisetzung eines nahen Verwandten eine Absonderungszeit von sieben Tagen vor.
Der Wunsch, das Andenken des Verstorbenen zu bewahren, ließ zahlreiche Formen des Gedenkens entstehen; dazu zählen die Aufbewahrung von Teilen des Körpers als Reliquien, Denkmäler, Totemlieder oder Epitaphe auf Grabsteinen.